ABLATIO MAMMAE
Schmerz / Schmerzen nach Ablatio mammae
Finden Sie Ihre Schmerzdiagnose selbst
Der Begriff "Mamma" steht für
die Brus
t der Frau, bestehend aus Drüsenkörper (Glandula
mammaria), Fettgewebe, Bindegewebssepten und Brustwarze (Mamilla; Papilla
mammae) einschließlich Warzenhof (Areola). - Im weitesten Sinne ist auch die
rudimentäre (=
verkümmerte, nicht voll ausgeprägte)
Brus
t des Mannes (Mamma masculina) gemeint.
Als Ablatio mammae bezeichnet man die
operative Entfernung der Brus t.
Eine Ablatio mammae wird meist wegen eines Mammakarzinoms (Brus tkrebs) durchgeführt.
Nach einer Ablatio mammae
kann es zu einem sog. Postmastektom iesyndrom
(= Krankheitszeichen nach einer Ablatio mammae)
kommen, gekennzeichnet durch
Narbenschmerzen. Dabei handelt es sich um einen sog.
Nozizeptorschmerz (Nozizeptorenschmerz).
Hierunter versteht man die Aufnahme einer körperlichen Störung oder
Schädigung mit Hilfe eines Rezeptors und Weiterleitung als
Schmerz reiz über das
Nervensystem zum Gehirn. Ein Rezeptor ist eine Art „Empfangseinrichtung“
einer Zelle oder eines Organs bzw. Systems. Sie wird je nach der Art des zu
registrierenden Reizes als z.B. Chemo-, Thermo-, Baro-
(= den Blutdruck
betreffender), akustischer oder
taktiler (= den
Tastsinn betreffender)
Schmerz
rezeptor bezeichnet.
Die Schmerzbehandlung erfolgt wie bei der Mastodynie (Mastalgie).
In 30-50% der Fälle werden nach einer Ablatio mammae im Rahmen eines Postmastektomiesyndroms auch Phantomphänomene verspürt (Strömbeck et Rosato 1987).
Nach einer
Ablatio mammae
kann es (relativ selten) auch zu einem
Phantomschmerz kommen. Dabei werden
Schmerzen in
die nicht mehr vorhandene Brus
t projiziert bzw. dort empfunden. Das
Risiko, daß sich nach einer Ablatio mammae ein
Phantomschmerz
einstellt, ist ungleich größer, wenn bereits vor der Ablatio mammae im
abgetrennten Bereich starke
Schmerzen,
chronische En
tzündungen oder Gefäßerkrankungen bestanden.
Beim
Phantomschmerz
handelt es sich um einen sog.
neuropathischen Schmerz
(Nervenschmerz).
Bei dieser
Schmerz art ist im Gegensatz
zu o.g.
Nozizeptorschmerzen
das schmerzleitende System selbst gestört oder geschädigt, es liegt
sozusagen ein „Nerveneigenschmerz“ vor.
Relativ häufig treten starke
Armschmerzen nach einer Ablatio mammae in Form der radikalen
Mastek tomie
(= operative Entfernung der
weiblichen Brus
t
Zur Förderung des Lymphabflusses wird der
Arm mittels
einer Handschlinge an einem Gestell (Bettgalgen, Infusionsständer) mehrere
Tage permanent über die Horizontale angehoben. Zur Unterstützung der
abschwellenden Maßnahmen dient die Gabe eines milden Diuretikums
(= harntreibendes Mittel) sowie regelmäßige manuelle Lymphdrainage.
Zusätzlich können interskalenäre (= im seitlichen Halsbereich)
Blockaden des Plexus brachialis durchgeführt werden.
Nach Teilabschwellung gelingt dann häufig die Implantation eines axillären
Plexuskatheters zur
kontinuierlichen Blockade (Betäubung) des Plexus brachialis
(= Armnervengeflecht),
der für weitere 10-14 Tage regelmäßig mehrmals täglich mit 10-15 ml
Bupivacain
bedient wird.
Mit den genannten Therapiemaßnahmen kann in fast allen Fällen eine
zufriedenstellende Schmerzsituation herbeigeführt werden, außerdem kommt es
durch die
Nervenblockade
behandlung zu einer weiteren Abschwellung des Armes.
Methodenbeschreibung
Kontinuierliche Blockade
des Plexus brachialis mit Katheter
Dabei wird ein dünner
Kunststoffschlauch (Katheter) nahe der Achselhöhle in die
Nervenscheide des Armnervengeflechts eingepflanzt und innerhalb derselben
noch weiter nach oben vorgeschoben. Die Einpflanzung erfolgt durch eine
handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten" werden.
In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach
Abklingen der vorangegangenen Dosis, das
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel)
völlig schmerzlos nachgespritzt. Während dem Einspritzen und noch kurze Zeit
danach wird der
Oberarm mit
einer Manschette abgestaut, so daß die Betäubungsmittellösung innerhalb der
Nervenscheide nach oben getrieben wird und so auch im
Schulter
-/Achselbereich schmerzlindernd wirken kann.
Das
örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass
die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der
Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische
Übungsbehandlungen (z.B. forcierte Lymphdrainage) möglich bleiben. Dass die
schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus
anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung
auch die sog. vegetativen
Nerven
betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung
resultiert, die entzündlichen oder degenerativen
(= abnutzungsbedingten) Prozessen nachhaltig entgegenwirkt.
Bei Brus tkrebs wird neben einer Ablatio mammae öfters zusätzlich eine Bestrahlung durchgeführt. Auch diese Behandlung kann zu Schmerzen führen.
Armschmerzen
nach Bestrahlung (Plexusneuritis)
Heftige Pl
exusschmerzen (Plexalgie)
mit neurologischen Defiziten
(= Zeichen einer
Nervenstörung,
Nervenschädigung)
können auch Folge einer Röntgenbestrahlung der supraklavikulären
(= oberhalb des
Schlüsselbeins) oder
Achselhöhlenregion bei Brus tkrebs sein. In der Regel ist das
subkutane Gewebe derb fibrosiert (Strahlenfibrose
(= Verhärtung des Hautuntergewebes)). Hinzu kann eine
Lymphschwellung des Armes treten. Bei fehlender oder gering ausgeprägter
Fibrosierung muß eine
Plexuskarzinomatose
(= Durchsetzung des
Armnervengeflechts mit Tochtergeschwülsten) in Betracht gezogen werden.
Die Behandlung ist sehr schwierig. Bei strahlenbedingten krankhaften
Hautveränderungen ist das Entzündungsrisiko bei Durchführung von
Nervenblockaden stark erhöht.
Peripher wirkende
Analgetika (=
Schmerzmittel
die überwiegend nur im Schmerzbereich wirken)
sind meist ungenügend wirksam, so daß man um die Verordnung von
Opioide n
(= im Gehirn /
Rücken
mark wirkende
opiumähnliche Schmerzmittel)
nicht herumkommt.
Nach Thoden (1987) bleiben nur die epidurale
(= rückenmarknahe)
elektrische Rückenmarksreizung oder die hochzervikale Chordotomie
(= operative Durchtrennung der Schmerzbahn im oberen Rückenmark).
Frauen nach einer Ablatio mammae sollten im Rahmen eines schmerztherapeutischen Konzepts auch psychologisch betreut werden.
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Aktualisiert: >19.08.2007</>
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